Das Reizdarmsyndrom

Dr. Elisabeth Schartner, Innere Medizin, Hypnose, Psychosomatik: Reizdarmsyndrom

Reizdarmsyndrom

Sogenannte funktionelle Störungen des Magen-Darmtrakts gehören zu den häufigsten chronischen Baucherkrankungen.

Dabei leiden die Betroffenen unter Beschwerden, die sich mittels der herkömmlichen Untersuchungen (Blutbefunde, Ultraschall, Magen-, Darmspiegelung, etc) nicht hinreichend erklären lassen.

Es gibt ältere Daten, dass bei bis zu 50% der Patient*innen, die aufgrund länger bestehender Bauchbeschwerden ärztliche Hilfe aufsuchen, eine funktionelle Störung vorliegt. Die häufigste dieser Erkrankungen ist das Reizdarmsyndrom.

Die genauen medizinischen Definitionen des Reizdarms ändern sich immer wieder. Je nach aktueller Defintion leiden zwischen 5 und 25 % der Bevölkerung darunter. Es wird davon ausgegangen, dass ein Reizdarmsyndrom vorliegt, wenn Personen seit mindestens 3 Monaten unter Bauchbeschwerden wie Durchfall, Verstopfung, Blähungen etc leiden, die sich teils mit der Stuhlentleerung verändern. Die Betroffenen suchen ärztliche Hilfe auf oder fühlen sich von den Beschwerden in der Lebensqualität beeinträchtigt.

Weder durch die Art der Beschwerden noch durch erhobene Befunde ergeben sich Hinweise, die eine andere Erkrankung (wie Darmkrebs, Morbus Crohn, etc) wahrscheinlich machen.

Als Ursache für ein Reizdarmsyndrom werden unterschiedliche genannt: beispielsweise eine viszerale Hypersensitivität, die man so verstehen kann, dass Rezeptoren in der Darmwand, die normalerweise eine Dehnung registrieren durch „falsches Lernen“ Schmerzen ans Bewusstsein weiterleiten. Weiters Veränderungen der Darmmotilität: die Geschwindigkeit, mit welcher der Darm arbeitet ist beispielsweise erhöht bei Angsterkrankungen und vermindert bei Depressionen. Weiters eine veränderte Darmflora (Darmbakterien), Veränderungen der Darmschleimhaut oder des Darmimmunsystems.

Oft ist zu bemerken, dass sich, aufgrund der Heftigkeit der Beschwerden, die Aufmerksamkeit der Betroffenen beginnt, zunehmend auf die Darmbeschwerden zu richten und sie dadurch noch mehr in Stress geraten. Dadurch kommt ein negativer Kreislauf in Gang. Insofern handelt es sich auch um ein Fokussierungsproblem, da Probleme unterschiedliche Relevanz erhalten, je nach dem, welchen Stellenwert sie bekommen.

Die Therapie des Reizdarms orientiert sich am Beschwerdebild und der Schwere der Symptome. Für viele Patienten ist eine ausführliche Aufklärung und das Wissen, an dieser Erkrankung nicht früher zu sterben oder davon Krebs zu bekommen schon vollkommen ausreichend. Auch eine  Diätberatung kann als sehr hilfreich erlebt werden.

In weiterer Folge können je nach Beschwerdebild unterschiedlichste Medikamente verschrieben werden. Auch gewisse Antidepressiva sind wirksam. Oft helfen Strategien zur Vermeidung von Stress oder das Führen eines „Symptomtagebuches“.

Bei bestimmten Patient*innen mit Reizdarm macht Psychotherapie Sinn und bringt Besserung.

Ich persönlich habe über Jahre bei vielen Patient*innen gute Erfahrung mit der sogenannten „Bauchhypnose“ gemacht. Dabei kommen Betroffene einmal wöchentlich für 10-12 Wochen in der Gruppe zusammen und lernen eine tiefe Entspannung, die genutzt werden kann, um mittels Suggestionen Magen-Darm-Funktionen wie die Transitzeit oder Hypersensitivität nachweislich zu verändern. Die Erfolge sind auch in der Literatur als groß und langanhaltend beschrieben.

Auch hier in der Ordination sind Bauchhypnosegruppen geplant.