Symptome einer Coronainfektion

Psychogene Beschwerden

Schon die Angst, sich möglicherweise infiziert zu haben, kann bei manchen Personen zu milden Symptomen einer Coronaerkrankung führen.

In letzter Zeit berichten mir immer wieder Menschen in meinem Freundes-und Bekanntenkreis sehr überrascht, wie stark ihr Körper auf einen (vermeintlichen) Kontakt mit Coronaviren trotz nicht erfolgter Infektion reagiert hat.

Immer wieder höre ich (und mir selbst ist es vor einigen Wochen ganz ähnlich ergangen), dass diese Personen, kaum haben sie erfahren, dass jemand aus dem engen Umfeld an Corona erkrankt ist, selbst schlagartig Symptome entwickelt haben. Diese reichten von Kopf-und Halsweh über Gelenksschmerzen und Abgeschlagenheit bis zum Gefühl einer erhöhten Körpertemperatur. Kaum wäre ihr eigener PCR Test negativ gewesen, seien die Symptome meist so schnell verschwunden wie sie gekommen sind.

Obwohl mich das natürlich keinesfalls überrascht (schließlich gibt es sogar eine Unzahl an Berichten über psychogene Todesfälle) habe ich doch versucht herauszufinden, wie es eigentlich dazu kommen kann.

Der zugrunde liegende Effekt ist zumeist der Nocebo Effekt (dazu gibt es schon Beiträge von mir). Das heißt in erster Linie die Erwartung, dass wir nach Kontakt mit dem Erreger entsprechend erkranken werden.

Gerade nocebovermittelte Schmerzzustände sind recht gut untersucht. Es kommt zu nachweisbaren Veränderungen im Gehirn und etwa zu einer vermehrten Ausschüttung des Hormons Cholezystokinin, das eine zentrale Rolle bei Noceboeffekt einnimmt, während Dopamin vermindert zu finden ist.

Von funktionellen Erkrankungen wie dem Reizdarmsyndrom wissen wir, dass negative Gefühlszustände (also im oben erwähnten Fall vielleicht Angst vor der Erkrankung oder Sorge, wie man die drohende Quarantäne organisieren soll), das Gehirn generell wesentlich empfänglicher machen für allerlei Schmerzreize und „unangenehme Meldungen“ aus dem Körper. Es ist als würde sich richtiggehend ein Tor für diese Eindrücke öffnen.

Nicht zuletzt ist der Fokus, wohin unsere Aufmerksamkeit gelenkt wird („Spüre ich da nicht schon ein Halskratzen?“) sehr wesentlich für unsere Körperempfindungen.

Ein weiterer Punkt ist aber, dass jeglicher Stressor immer zu Entzündungsreaktionen im Körper führt – auch darüber habe ich schon geschrieben.

Dies wird auch über Veränderungen im Immunsystem mit der Ausschüttung von entsprechenden Zytokinen (=Immunbotenstoffen) vermittelt.

Beim sogenannten „Psychogenen Fieber“ zum Beispiel kommt es bei entsprechender Neigung bei Betroffenen zu teils massiven Erhöhungen der Körpertemperatur durch psychosoziale Stresssituationen. Ich habe auf meiner Recherche zu diesem Artikel von Werten bis 41 °C gelesen.

Doch auch bei Menschen, die nicht unter psychogenem Fieber leiden, steigt die Körpertemperatur um einige Zehntelgrade unter akutem Stress. Dies dürfte über eine vermehrte Wärmebildung im Fettgewebe ablaufen, die über den Teil des unbewussten Nervensystems vermittelt wird, die uns auf „Kampf und Flucht“ vorbereitet, den Sympathicus.

Vielleicht trägt dieses Wissen ein wenig dazu bei, dass auch Sie bei ähnlichen Situationen in Zukunft bewusst versuchen, „den Ball flach zu halten“ und sich nicht durch etwaige Beschwerden noch weiter verunsichern lassen.